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WENN'S SCHNEIT BEIM  KROKODIL
Erzählungen

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»Hier ist eine Autorin am Werk, die etwas von Dialogen, von Regie und Dramaturgie versteht. Monique Schwitters Figuren sind ernsthaft und verletzlich, spielen aber mit hohem Einsatz, als ob sie nichts zu verlieren hätten. Wie Seiltänzerinnen ohne Netz, die das Balancieren nur im Kopf, aber nicht in Wirklichkeit geübt haben. Jede Geschichte hat ihr Geheimnis, ein Geheimnis, das man nur einkreisen, aber nicht ergründen kann. Monique Schwitter versteht sich auf das subtile und virtuose Spiel mit Motiven und legt dabei einen doppelten und dreifachen Boden. Und die Leserinnen und Leser tauchen ein ins Unausgesprochene, ins Schweigen zwischen den Wörtern, das die Autorin so kräftig aufzuladen versteht.«

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(Aus der Jurybegründung für eine lit. Auszeichnung der Stadt Zürich)

LITERATURVERLAG DROSCHL                                                                   www.droschl.com

Wenn’s schneit beim Krokodil

 

 

·  Gebundene Ausgabe: 184 Seiten

·  Verlag: Literaturverlag Droschl; 15. August 2005

·  Sprache: Deutsch

·  ISBN-10: 3854206941

·  ISBN-13: 978-3854206941

·  Größe und/oder Gewicht: 20,8 x 13,4 x 1,8 cm

 

 

1. Klappentexte:
In den Erzählungen von Monique Schwitter wird gespielt, sehr ernst und auf hohem Niveau; ihre Personen wissen, dass sie spielen – auch wenn sie es ernst meinen. Sie können gar nicht anders: das Als-ob ist ihnen zur Notwendigkeit geworden, egal ob es um sexuelles Begehren geht oder um anderes, egal ob sie ihre eigene Ironie durchschauen oder nicht. Die Intelligenz, mit der Monique Schwitter diese ernsthaften und manchmal durchaus heftigen Simulationen transparent macht, ist so groß wie das Vergnügen, das die Lektüre bereitet.
Eine schonungslose und neugierige neue Erzählerin, und die Erzählungen sind ihre Sonden, mit denen sie das Unbekannte abtastet.

Diese Geschichten sind geschrieben mit einem unerbittlichen Auge für Situationen, in denen alles offen ist und aus denen noch alles werden kann, und mit dem scharfen Gehör für die Sätze, die Menschen im Offenen miteinander wechseln. Zwei junge Frauen auf einer Parkbank, eine Rotweinflasche, und zwischen ihnen ein offenes Schweizermesser. Sie denken sich Indianernamen füreinander aus und die Frage »Sag mal, wieviel Erfahrung hast du eigentlich mit Frauen?« hängt in der Luft. Oder: Eine Frau kehrt auf Weihnachtsurlaub in die Heimatstadt zurück; diesmal erwartet sie ein anonymer Brief mit einer Verabredung im Zoo, »wenn's schneit beim Krokodil, sonst beim Kamel«. Alle möglichen Absender passieren vor ihrem inneren Auge Revue – und damit auch alles, wofür ›Heimat‹ steht, ein ganzes »Erinnerungspaket« aus Kindheit, Jugendzimmer, Lehrerin, Männern. Oder: Eine Autofahrt mit einem fremden Mann in einem fremden Land, sie fotografiert durch die verschmierte Scheibe die Straße voller plattgefahrener Tiere, »soundsoviel Katzen, Frösche, Füchse, Marder, Vögel.«

Für dieses Buch erhielt Monique Schwitter:
Robert Walser-Preis 2006
Hermann-Lenz-Stipendium
Halbes Werkjahr der Stadt Zürich
Preis der Marianne und Curt Dienemann Stiftung
Förderpreis des Schillerpreises 2006

 

2. Pressestimmen:

 

»Ein glänzendes Debüt, Schwitters Erzähltalent entfaltet sich in den schlichten zwischenmenschlichen Situationen, die sie entwirft und gnadenlos durchspielt.«

Oliver Meier, Berner Zeitung

 

»Schwitters Erzähldebüt ist etwas vom Reizvollsten, was die Schweizer Literatur in jüngster Zeit hervorgebracht hat.«

Gieri Cavelty, Tages-Anzeiger

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»Monique Schwitter beleuchtet mit dem scharfen Blick einer Frau, die am Rande und zugleich mitten in der Gesellschaft steht, die groteske Welt und den Alltag menschlicher Beziehungen – und das in einer überaus unangestrengten lakonischen Sprache: Ein gelungenes Debüt. «

Deutschlandradio Kultur

 

»Ein vielversprechendes Debüt. In poetisch schillernden Bildern werden verschüttete Erinnerungen und Phantasien an die Oberfläche gespült. Schwitter lässt sich in keine vorgefertigte Schablone pressen und probiert mit Furor aus, in welche Rollen sie schlüpfen, welche Identitäten sie sich überstülpen könnte in einer Welt, in der die Menschen unbehaust, bestehende Verhältnisse fragil, Liebesbezeugungen von kurzer Dauer sind und Bestandesaufnahmen schon morgen komplett überholt sein können. Die Autorin verzichtet bewusst auf eine Psychologisierung ihres Personals. Dafür legt sie umso mehr Wert darauf, ihre Momentaufnahmen mit luziden Bildern in Sprache zu verwandeln.«

Sandra Leis, Der Bund

 

»Der Ton ist neu. Und doch vertraut. Die Situation ist bizarr. Und doch so real. Denkt man. Und liest weiter. Weil diese Sprache einen Sog zu erzeugen vermag, dem man sich kaum entziehen kann. Diese Schreibe ist frisch und zugleich dunkel, mutig und zugleich verschlossen, unmittelbar und zugleich ausufernd. Die 15 erzählerischen Momentaufnahmen sind arrangiert wie Fotografien von Jeff Wall: perfekt inszenierte Ausschnitte aus der Wirklichkeit.«

rb, Das Kulturmagazin

 

»Monique Schwitter debütiert mit einem rasanten Erzählband. Schwitters Texte geben niemals Ruhe. Sie ist eine Jägerin, die das verfolgt, von dem sie verfolgt wird. Dazu braucht sie Verkleidungen, Tarnungen. Dazu braucht sie den indirekten Blick. Nichts wird uns an ihren Figuren mehr getäuscht haben als das Bild, das wir uns von ihnen machen. Auch eine Tarnkappe wird im Spiegel nicht enttarnt.«

Samuel Moser, Neue Zürcher Zeitung

 

»Monique Schwitter ist die neue Entdeckung der jungen Schweizer Literatur. Situationen in ihrer ganzen Vieldeutigkeit und Abgründigkeit vor den Augen des Lesers entstehen, auf den Leser loszulassen, das ist ihre große Stärke. Da ist eine Autorin am Werk, die sich auf Dialoge, auf verbale und nonverbale Kommunikation versteht, mit einem scharfen Sinn für Dramaturgie ausgerüstet ist und die ihr Schreiben mit einer traumwandlerischen Sicherheit kontrolliert.

Dass sie die Hirnwindungen in den Leserköpfen auf unterschiedlichste Weise in Gang setzt, belegt vor allem eins: die literarische Qualität ihrer Erzählungen – die sich übrigens auch darin manifestiert, dass das Vergnügen, mit dem man liest, sich unversehens in ein Gefühl der Melancholie und Verlorenheit verwandeln kann; dass man, je nach Stimmung, über Sätze lachen muss, die einem beim ersten Lesen kalte Schauer über den Rücken gejagt hatten.«

Christine Lötscher, Mittelland Zeitung

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»Schwitter versetzt ihre Figuren mitten hinein in tragische oder komische, verstörende oder ganz alltägliche Situationen. Und was dort mit ihnen passiert, ist nicht nur für den Leser überraschend. Denn wie Schauspieler schlüpfen sie plötzlich in Rollen, die nicht die ihren sind und werden von den Ereignissen mitgerissen.«
Brigitte

»Eine Art Roadmovie in Einzelteilen. Durch die meisten Geschichten zieht sich eine laszive Erotik, die offensiv ist und dennoch keine direkten Einblicke zulässt. Eine wunderbare Balance. Wunderschöne Momentaufnahmen aus dem Leben. Beachtlich.«

Frido Hütter, Kleine Zeitung

»Jede Geschichte lebt ihr eigenes Universum, die Erzählungen verketten und verdichten sich durch das Talent Schwitters, Situationen hörbar und sichtbar zu machen, zu einem besonderen Erzählband.«

Saskya Rudigier, anschläge

»Zart und behutsam balanciert die Autorin zwischen zerbrechlichen Momenten und abgründigen Erlebnissen. Monique Schwitter glänzt in ihrem Debütband als smarte Beobachterin. Mit wenig Pathos aber viel Gefühl für Details.«

Astrid Schwarz, Ö1 ex libris

 

»Und wieder muss man sagen, sie kann’s einfach. Ihre Geschichten bilden das Gewöhnliche ab, machen daran aber das Ungewöhnliche, Unerwartete, Besondere fest. Es sind Momentaufnahmen, ohne Anstrengung, mit dem Blick fürs Besondere. Immer ist man überrascht über die Fülle an Details.«

Armgard Seegers, Hamburger Abendblatt

 

»Geschichten, in denen die Lust am Experiment tobt. Manchmal scheint es, als würde sie vor lauter Kraft platzen, doch dann wird die Sprache sacht an die Zügel genommen. Ihre Helden sind ein wenig so wie Monique Schwitters augenzwinkernde Selbstbeschreibung: „Katholikin, abergläubisch, bewegte Jugend… gewaltbereit, liebesbedürftig, stets auf der Flucht, spricht ausgefallene Dialekte und 23 Fremdsprachen…“«

Lothar Schröder, Rheinische Post

 

»Monique Schwitters Erzählungen zeugen von einer draufgängerischen Frische, bemerkenswert vor allem die klare, ungeschminkte Sprache, ihre genaue Beobachtungsgabe und ihr Mut zur Distanz. Man kann lange über Monique Schwitters Erzählungen nachdenken, ohne ihr Geheimnis zu entschlüsseln.«

Heide Soltau, NDR

»Monique Schwitters Texte sprechen eine munter-freche, dem Slang junger Menschen nachgebildete, stark dialogische Sprache, sie wirken direkt und unmittelbar und stecken jenseits aller selbstverliebten Larmoyanz ein breites Themenspektrum ab.«

Charles Linsmayer, Weltwoche

 

»Schwitter legt ein vielversprechendes Debüt vor, das durch kecke Sprachbilder und eine anziehende Klarheit imponiert, mit der diffuse, irritierende Gefühle subtil ausgedrückt sind. Das erzählerische Maskenspiel erzeugt eine unterschwellig knisternde Spannung.«

Beat Mazenauer, Tagblatt

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»Das Spiel von Täuschung und Offenbarung, Annäherung und Zurückweisung prägt Monique Schwitters erotisierende Prosa.«

Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung


»Die Erzählungen halten einen Augenblick lang auf Distanz und geben sich unzugänglich, doch steht man wenig später bereits in ihrem Sog. Und ist für die Mitwelt einige Seiten lang verloren.

Schwitters Figuren brauchen die Großstadt, um atmen zu können, sie gehen in ihr verloren und sind in ihr aufgehoben. Ihre Beziehungen bleiben brüchig und flüchtig, geben ihnen aber zugleich Halt. Was die unsteten Menschen miteinander tun und erleben, bleibt in der Schwebe, kann jederzeit enden, ist gefährdet und vorläufig. Daraus beziehen die Geschichten ihre atemlose Spannung.

Es ist erstaunlich, mit welch geringem Aufwand die Autorin arbeitet. Ihre Dramaturgie ist zuverlässig und zielsicher, sie kommt fast ohne Beschreibungen aus. Das verdankt sie der raschen, zupackenden Sprache.

Wir folgen ihren Erzählungen überrascht von deren unerwarteten Wendungen und erstaunt über ihre Konsequenz. Und vergessen, dass es sich bei diesem Buch um einen Erstling handelt.«

Rudolf Bussmann, Drehpunkt

 

»Die fein komponierten Texte verdienen höchstes Lob.«

Silja Ukena

 

» „Meine Arme um deine Brust lassen dich kaum noch atmen, deine Arme um meinen Hals erwürgen mich bald“ heißt es in einer von Monique Schwitters Erzählungen, in denen Menschen durchleuchtet, Situationen ausgeleuchtet, (Aus)Wege gesucht und wieder verworfen werden. Verstörend und anregend!«

Jutta Sommerbauer, Weiberdiwan

 

»Sehr starke Frauenfiguren … Monique Schwitter hat eine spannende, harte und eindringliche Art zu schreiben.«

Hardy Ruoss, 52 Beste Bücher, DRS

 

»Ein irritierend leichtes und viel versprechendes Debüt. Man beginnt sie zu lieben, diese StadtindianerInnen, die sich symbolische Namen geben wie „tanzende Kriegerin“.«

Johanna Lier, WOZ

 

»Im Spiel werden die Spuren deutlich, die mit den Augen nicht zu fassen sind. Wenn’s schneit, beim Krokodil, sonst beim Kamel. Oder in anderen imaginierten Abgründen.«

Literaturwerkstatt Berlin

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»Schwitters Erzählungen haben einen eigenwillig ruppigen Ton, sie sind präzis und auf eine lässige Weise lückenhaft, komisch und mitunter sehr ernst.«

Daniela Strigl, Falter

 

»Monique Schwitter erzählt ohne lange Schnörkel, präzis und dennoch zart und zerbrechlich, verletzbar aber stark. So sind auch die Bilder, die sie verwendet. Die Geschichten enden weder laut noch berechenbar, und schon gar nicht glücklich.«

Zita Bereuter, FM4 ORF

 

»“Wenn’s schneit beim Krokodil“ bietet überraschendes Theater, kecke Performance. Ein frischer Ton für komische bis todtraurige Geschichten. Im „Mützenmärchen“ erfahren wir etwas über die Mütze der Autorin: die billigste „unter den Billigmützen in der Lockwarenkiste des Türken“. „Lockware“ sind auch ihre Geschichten!«
Buchjournal Schweiz

 

»Monique Schwitters Erzählband ist eine Art Kamera mit einem bewegungs- und begegnungsempfindlichen Film, der Aufnahmen von gestochenen Momenten schießt. Präzis arrangierte, bis zu hohe Tiefenschärfe ausgeleuchtete Bilder von oft namenlosen Figuren. In dem knapp Gesagten liest man das Nichtgesagte mit, aus dem Geschehenen das (noch) Nichtgeschehende. Es sind Lebensspiele, Überlebensspiele. In ihnen schwingt gleichzeitig der drohende Ernst möglicher Gewinne mit, wie auch der verführerische Abgrund möglicher Verluste. Die Figuren pokern ums Überleben, denn sie alle hören das beständig summende Lied der Endlichkeit.«

Mario Rauter, Theater am Neumarkt Zürich

 

Aus der Jurybegründung für den Robert Walser-Preis 2006:

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»Monique Schwitters Geschichten sind leicht geschrieben, ja, aber gefällig sind sie nie. Sie sind übrigens auch nicht einfach „schräg“, wie man heute sagt. Sie sind eher quer. Die Texte zeichnen sich durch extreme Sparsamkeit der Mittel aus, durch Genauigkeit und Langsamkeit. Obwohl fast alle Erzählungen von Begegnungen handeln, ist nie Nähe spürbar, höchstens eine Nähe zur Distanz. Monique Schwitter versteht es, die Komplexität menschlicher Beziehungen präzise darzustellen. Und doch bleibt ihre Prosa märchenhaft leicht.«

 

Aus der Jurybegründung für den Förderpreis der Schweizerischen Schillerstiftung:

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»Die 15 Erzählungen führen einen ganz eigenen, nie gelesenen Ton in die Schweizer Literatur ein. Die Autorin spielt mit ihren Lesern ein schönes Liebesspiel. „Wenn’s schneit beim Krokodil“ ist dadurch nicht nur in Inhalt und Form, sondern auch in der Rezeption ein Einzel- und damit ein Glücksfall.«

 

Monique Schwitter ist nicht bloß eine zeitgenössische, sie ist tatsächlich eine lebende Autorin. Sie keucht nicht unter Kunstzwang. Ihre Sätze atmen, das Herz ihrer Erzählungen schlägt. Jedes ihrer Worte ist ein kleiner lustvoller Nadelstich, und erst am Ende stellen Sie fest: Sie wurden tätowiert. Auf Ihrer Brust steht ab jetzt ewig: „Monique“. Es könnte auch „Welt“ stehen, oder „Liebe“, oder „Alles“. Das kann Lektüre bewirken…

Robert Menasse 

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Man stößt auf Dinge, die ein vermeintlich harmloses Geschehen tückisch befallen, unterhöhlen oder gar erst zur Kenntlichkeit eines emotionalen Minenfelds verändern: ein Schweizermesser, ein Aftershave, eine Kaffeetasse, ein Foto, eine beiläufige Bemerkung, das Aufheulen einer Sirene...

Werner Morlang, Kleine Rede für Monique Schwitter

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3. Leseprobe:

 

Vertraut, sagte sie. So empfinde ich uns.
Sie rieb die große Klinge ihres Schweizermessers am Stoff ihrer Hose, knapp seitlich unter dem Schambein.
Das tut sie absichtlich, dachte ich und versuchte, nicht hinzuschauen.
Ich konzentrierte mich auf meine Zigarette und zählte die Farben der Asche, während ich mir ihren nackten Schoß vorstellte. Ich fand kein Bild dafür. Immer wieder sah ich nur meinen eigenen vor mir, den einzigen, den ich je aus der Nähe betrachtet habe. So nah es halt geht. So nah eine Frau sich selber eben kommen kann, mit den Augen.
Total verdreckt, sagte sie und schabte mit ihrem rechten Daumennagel an der Klinge, mit sehr schnellen Bewegungen, Flinker Daumen, fiel mir ein, ich lächelte unsichtbar. Seit Jahren, einem Jahrzehnt, länger, wie lange eigentlich hatte ich dieses Spiel nicht mehr gespielt, das Indianernamenspiel.
Ich stellte mir ihren Daumen an, um und in ihrem Schoß vor, der aussah wie meiner.
Findest du nicht, fragte sie. Ihr Daumen unterbrach die Putzarbeit, sie sah mich an.
Ich spürte ihren Blick auf meiner Backe, der linken, der schönen Backe.
Es zuckte in mir.
Ich entschloß mich, ihren Blick zu erwidern, als Zeichen meiner Offenheit.
Ich sah sie an. Ich wußte, ich hatte zu lange geschwiegen, um nein zu sagen.
Ja, sagte ich. Ein wackliges Ja, ein Ja, das nachdenklich wirken wollte, mit einem langen a, mit einem kleinen Fragezeichen, einem kleinen nur, das Ja wollte nicht fragen, es wollte nur möglichst unbestimmt sein, das Ja wollte so tun, als hätte ich die ganze Zeit nur darüber nachgedacht. Über die Vertrautheit zwischen uns.
Das Ja sollte mich und meine schmutzigen Gedanken tarnen, es sollte ein Attest meiner Ernsthaftigkeit und Tiefe sein.
Sie sah mich unverwandt an. Sie wollte mehr hören, mit meinem Ja kam ich nicht davon.
Ich mußte eine Entscheidung treffen.
Hast du dir als Kind auch Indianernamen ausgedacht, fragte ich sie und lächelte schelmisch.

(aus der Erzählung „Wild erlegen“ in „Wenn’s schneit beim Krokodil“)

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www.droschl.com

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